Die Pfleger sahen nicht, was er in seinen Pfoten hielt

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Bobo, ein Riesengorilla, galt als sehr freundlicher Gorilla in der Auffangstation. Doch plötzlich begann er, ein seltsames Verhalten an den Tag zu legen. Er verhielt sich sehr verdächtig und die Pfleger meinten, er löse sich in emotionaler Weise von seinen Artgenossen. Seine Veränderungen fingen fast zeitgleich damit an, als der Gorilla einen streng behüteten Gegenstand in seiner Pfote zu verstecken begann.

Seine Pfleger waren besorgt. Sie meinten, dass sie herausfinden sollten, was Bobo versteckte, um das Rätsel um sein Verhalten zu lösen. So beobachteten die Pfleger den Gorilla genau.

So ein Erlebnis war ihnen während ihrer langjährigen Arbeit noch nie untergekommen. Hier erfahren Sie, welchen Gegenstand Bobo so vehement versteckte.

1. Ein Gorilla namens Bobo

Bobo, ein Gorillamännchen aus Afrika, lebt mit vielen Artgenossen in der Auffangstation Mefou Primate Sanctuary im westafrikanischen Kamerun. Bobo verlor im Alter von zwei Jahren seine Mama durch einen Angriff von Wilderern. Das Erlebnis setzte Bobo seelisch zu. So ergeht es leider vielen Affen. In der ersten Zeit in seiner Auffangstation war er nicht besonders gesellig. Er bevorzugte es zunächst, sich eher zurückzuziehen.

Inzwischen ist aus dem kleinen Gorilla ein erwachsener Affe geworden, der auch das dominanteste Tier in seiner Umgebung ist. Keiner seiner Artgenossen in der Gruppe möchte sich noch mit ihm anlegen. Nun sollten sich auch die Wilderer vor ihm fürchten.

2. Kein wütendes Gemüt

Jedoch hatte der Gorilla mit seinem 350-Pfund-Gewicht im Gegensatz zu vielen Artgenossen ein freundliches Gemüt. Er neigte nicht so sehr zu Aggressionen wie manch anderes Tier und bereitete dem Pflegepersonal keine Probleme. Der Umgang mit ihm war zunächst recht unkompliziert und Bobo war ein pflegeleichter Gorilla.

Irgendwann zollten die anderen Gorillas Bobo Respekt. Den erkämpfte er sich hart, denn er legte sich mit dem Alphamännchen an und löste dieses auf dem Thron ab. Bobo war nun ein richtiger Silberrücken geworden. Diesen Platz wird er sich sicher nicht nehmen lassen, nachdem ihm die anderen Affen Respekt entgegenbrachten. Das sind nun einmal die politischen Verhältnisse im Tierreich.

3. Monopolstellung

Bobos Pflegerin Elissa berichtete, dass zwei jüngere Männchen namens Nkamun und Kibu versuchten einst Bobo vom Thron zu stoßen. Dieses Unterfangen blieb jedoch stets erfolglos und sie unterlassen es lieber, sich mit Bobo anzulegen. Doch auf einmal verhielt sich Bobo merkwürdig, was nicht zu einem Alphamännchen passte. Was war hier los?

Die kamerunische Auffangstation Mefou Primate Sanctuary wird betrieben von der Ape Action Africa, einer Wohlstätigkeitsorganisation aus Großbritannien. Sie setzen sich den Schutz bedrohter Affen zum Ziel. Die Auffangstation beherbergt insgesamt 300 Affen, Schimpansen und Gorillas.

Als Elissa die plötzlichen Verhaltensänderungen von Bobo bemerkt hatte, war ihr klar, dass es wichtig war, den Gorilla genau zu beobachten.

4. Bobos Verhalten ändert sich verdächtig

Der bisher gesellige, kontaktfreudige und fröhliche Gorilla hatte sich plötzlich merkwürdig verhalten. Er distanzierte sich und vermied es, sich mit den anderen Gorillas abzugeben und hielt sich ständig unter Laubhaufen auf.

Das verwirrte Elissa zunächst und sie fand keine Erklärung für das Versteckspiel des großen Gorillas. Doch später wurde es deutlich, dass Bobo nicht nur sich einfach im Laubhaufen versteckte, sondern auch irgendetwas anderes. Es war etwas, wovon die Pfleger sowie die anderen Affen nichts wissen sollten. Mit traumatisierten Tieren haben sie oft zu tun.

Wenn aber ein Affe vom Format Bobo ein merkwürdiges Verhalten an den Tag legt, sollte möglichst schnell herausgefunden werden, woran das liegt.

5. Bedrohte Affen

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Abholzung und Wilderei haben den Lebensraum der Affen stark beeinträchtigt, sodass die Tiere bedroht sind. So kommt es häufig vor, dass verwaiste Affenbabys in die Auffangstation kommen, genauso wie der Gorilla Bobo.

Alle Pfleger waren sich einig, dafür zu sorgen, dass die Affen eine optimale Pflege bekommen, damit sie vor Schäden geschützt sind. Sie überwachten Bobo 24 Stunden am Tag.

Die Auffangstation spezialisierte sich zum Beispiel darauf, posttraumatische Belastungsstörungen zu behandeln, was fast alle Tiere dort betrifft. Die heimliche Beobachtung von Bobo war nicht leicht. Seine Pfleger wollten unbedingt wissen, was er versteckte. Bobo machte es ihnen aber nicht unbedingt einfach.

6. Die Suche beginnt

Nach einiger Zeit hatte es den Anschein, dass der Gorilla sein Geheimnis fallen gelassen hat. Elissa wartete, bis Bobo aus diesem Bereich verschwand. Irgendwann war es soweit.

Sie entdeckte zunächst nichts, aber einige Stunden später bemerkte sie, dass der Affe sein Heiligtum immer bei sich trug und nicht versteckte. Sie kam näher an ihn heran. Als sie schließlich sah, was er in seiner Pfote hielt, war sie schockiert. Es war nämlich ein lebendes Wesen und kein Gegenstand.

Jetzt galt es erst recht herauszufinden, um welches Lebewesen es sich handelte. Vorsicht war angesagt, um Bobo nicht zu verschrecken. Ein sorgfältiger Plan musste her.

7. Ein kleines Lebewesen befand sich in seiner Pfote

Als Bobo bemerkte, dass man ihn beobachtete, versteckte er sich, wie er es sonst auch tat. Die Pfleger folgten ihm vorsichtig.

Das kleine Lebewesen, welches er trug, weinte plötzlich, doch Elissa konnte aus ihrer Entfernung nicht erkennen, was es für ein Wesen war.

Aus größerer Entfernung sah es einem Nagetier ähnlich. Doch das vermeintliche Nagetier schien sich in der Pfote von Bobo wohlzufühlen. Das erhöhte die Neugierde von Elissa. Es kam ihnen recht merkwürdig vor, denn Nagetiere würden sicher flüchten wollen, besonders vor einem großen Affen. War es verletzt? Elissa schaute durch ihr Fernglas und sah kein Nagetier, sondern ein kleiner Primat.

8. Väterliche Liebe

Jetzt könnte man denken, dass es in solch einer Auffangstation mit einer großen Anzahl Affen normal ist, dass man nicht jedes einzelne Tier im Blick hat. Doch hier ist dem nicht so, da alle Pfleger genau darauf achten, dass jeder Affe eine auf ihn zugeschnittene Pflege bekommt.

Bei dem kleinen Affen handelte es sich um einen Galago. Die Pfleger meinten, dass er vom nahegelegenen Wald gekommen sein musste.

Galagos werden auch Buschbabys genannt, denn ihr Schrei klingt ähnlich wie der von Menschenbabys. Dieses Buschbaby gehörte nicht zu den typischen Primaten, die in der Rettungstation landen. Dennoch nahm sich Bobo dem Kleinen an. Die Pfleger wollten Bobo nicht die Verantwortung überlassen.

9. Kleiner Primat ganz mutig

Das Kerlchen machte deutlich, dass es sich bei dem großen Gorilla gut aufgehoben fühlte. Elissa befand, dass das Galagobaby sich nicht vor dem Gorilla fürchtete. Es lief um Bobos Körper herum und hüpfte im Gras umher. Dann kehrte der Kleine zu ihm zurück. Die beiden waren fast unzertrennlich, irgendwie wie Vater und Sohn.

Der Riesenaffe kümmerte sich besonders liebevoll um den Galago. Er hütete ihn wie seinen Augapfel, das ist sehr beeindruckend. Dies war nicht die einzige überraschende Entdeckung, die Elissa machte. Schon allein, dass sie eines der Buschbabys zu Gesicht bekam, überraschte sie ungemein, denn sie sind sehr selten.

10. Buschbabys sind nachtaktiv

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Elissa sagte weiterhin, dass Galagos in der Regel nachtaktive Tiere sind, daher kommt es so selten vor, dass man solch ein Tier sieht. Dass sich ein Gorilla und ein Galago auf diese Weise begegnen, ist erst recht selten.

Galagos verbringen den Tag mit Schlafen und die Nacht mit Jagen. Deshalb ist es absolut faszinierend zu sehen, wie ein Gorilla mit dem Galago-Baby sein Brot teilt. Das ist eine sehr außergewöhnliche Freundschaft.

Wilde und gerettete Affen kommen laut Elissa nur selten in dieser Art zusammen. Entweder sind sie im Urwald oder in der Auffangstation. Die Pfleger haben deratiges bisher nie erlebt. Die Entdeckung war umso überraschender.

11. Das Buschbaby war das jüngste Lebewesen bei Mefou

Der kleine Primat hält sich gern bei Bobo auf, spielt und hüpft. Dann kehrt es wieder zu dem großen Gorilla zurück.

Nach kurzer Zeit wurden andere Affen aus Bobos Gruppe darauf aufmerksam, womit sich Bobo beschäftigte. Der Galago war nun ein Magnet für Bobos Artgenossen. Sie versuchten näher an ihn heranzukommen, um einen besseren Blick auf ihn zu erhaschen.

Allerdings hielt Bobo sie von dem kleinen Galago fern. Niemand durfte das Primatenbaby stören. Bobo versuchte auch, dem Galagobaby dabei zu helfen, in seinen ursprünglichen Lebensraum zurückzukehren. Dazu hob er es auf einen großen Ast über der Auffangstation. Einer der Pfleger filmte das aufregende Ereignis und veröffentlichte das Video auf Facebook.

12. Video viral auf Facebook

Das beeindruckende Video landete schließlich auf Facebook. Die Bildunterschrift lautet, dass Bobo, der Silberrücken überraschend eine neue Freundschaft geschlossen hat. Es ist ein wilder Galago.

Die Mitarbeiter der Auffangstation haben ihn morgens bei ihren Kontrollgängen entdeckt, als Bobo ihn in seinen Armen hielt. Sie waren sehr erstaunt, als sie sahen, wie behutsam Bobo mit dem Buschbaby umging.

Dieses Video erhielt in sehr kurzer Zeit tausende Kommentare und fast 2 Millionen klickten es an. Weltweit waren die Menschen zutiefst berührt, wie warmherzig und liebevoll die Beziehung der beiden Affen war. Bobo wurde für sein Verhalten sehr gelobt und einige meinten, von dem Affen können alle noch etwas lernen.

13. Verschiedene Tierarten haben Empathie füreinander

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Ein User hatte geschrieben, dass die Gorillas sehr empathisch und fürsorglich sind. Die Menschen könnten von den beeindruckenden, schönen Tieren noch einiges lernen.

Ein weiterer User schrieb, dass er genau aus diesem Grund Gorillas liebe, denn diese stolzen Tiere sind zwar groß, aber doch sanft. Auch sind sie sehr intelligent. Anhand der Kommentare wird deutlich, welche Bedeutung es hat, bedrohte Tiere zu schützen.

Wir können den Gorilla in zwei Oberarten einteilen, nämlich Östlicher und Westlicher Gorilla. Der Östliche Gorilla wird in die beiden Arten Östlicher Flachlandgorilla und Berggorilla eingeteilt und beim Westlichen Gorilla sind es der Westliche Flachlandgorilla sowie der Cross-River-Gorilla.